30. Mai 2011
Von Reto Eugster wurde ich via Twitter darauf aufmerksam, dass in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift stern, Nr. 22 vom 26.5.2011, sich die Titel-Story
"Facebook, Twitter & Co. Die Macht des Schwarms. Massenproteste, Aufstände und Jagd nach Plagiaten: Wie soziale Netzwerke die Welt verändern." findet. Nachdem ich mir gestern die Zeitschrift am Kiosk gekauft hatte, sah ich anschliessend, dass es zur Zeitschrift stern nun auch eine passende kostenlose
iPad-App stern eMagazine gibt. Eine Ausgabe des stern eMagazine kostet hingegen CHF 4.40 (EURO 2.99) und ist gute 220MB schwer. Der Kauf hat sich gelohnt. Spannende, hochauflösende Fotos und ein interessanter Artikel zieren meinen iPad-Bildschirm. Ich vermisse einzig, dass der Text im stern eMagazine sich nicht wie bei anderen E-Books individuell in der Grösse anpassen lässt. Zudem scheint mir die Schriftart (mit Serifen) eher wenig geeignet, um am Bildschirm zu lesen. Die App selber ist noch verbesserungsfähig, der Inhalt aber hingegen absolut top!
«Das Zeitalter des Schwarms. Aufstände in Nordafrika, Wutwellen in Spanien, Lügenjagd auf Politiker: Dank FACEBOOK, ZWITTER UND CO. können sich Menschen im Netz spontan verbünden und so die Welt verändern - im Guten wie im Bösen (Stern 22/2011, S. 30).»
Die nachstehende Abbildung zeigt Twitternachrichten von Aktivisten der Demokratiebewegung in Ägypten. Jeder Kreis bezeichnet eine Person oder Organisation, die in den Tagen der Revolution Anfang des Jahres Meldungen über die Nachrichtenbörse Twitter auf Englisch (blau) oder Arabisch (rot) versandten. Die Abbildung stammt vom Computerexperten Kovas Bogota.
«Jeder konnte mitmachen. Keiner stach heraus, keiner suchte nach Anerkennung.» Wael Ghonim, 30, Kairo, Marketingexperte von Google, Symbolfigur der ägyptischen Revolution
Das nachfolgende Abbildung zeigt die Kommunikationsströme der Internetplattform Facebook, der mittlerweile über 600 Millionen Menschen angehören. Auffallend, dass Chinas Internetnutzer, weite Teile Russlands, Brasiliens und Afrikas fast keine Trafic aufweisen, während etwa Tunesien und Ägypten, wo die Menschen ihre Diktaturen stürzten, wie Leuchttürme aus der Dunkelheit hervorleuchten.
«Alles ist denkbar. Wir ahnen nicht mal, was noch auf uns zukommt.» Professorin Debora Weber-Wulff, 54, Medieninformatikerin, im Internet "Wise-Woman"
Die folgende Grafik gibt einen Einblick in den Schwarm von "Gutenplag", wo nach verdächtigen Passagen in der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg gefahndet wird. Farbig markiert sind auf dieser Homepage jene Absätze und Seiten, die Guttenberg nicht genannt hatte. Insgesamt hat "Guttenplag (
www.gutenplag.wikia.com) auf 371 Seiten 135 verheimlichte Quellen und 1218 plagiierende Fragmente festgestellt.
In der folgenden Grafik haben Forscher des Max-Planck-Instituts Saarbrücken die Verbreitung einer Twitternachricht unter mehr als 14'000 Nutzern nachgebildete. Der türkisfarbene Kreis zeigt den Start der Verbreitung; jede Farbe kennzeichnet eine Ausbreitungsstufe.
«Wenn man seine Stimme mit anderen verbindet, wird das ein mächtiger Chor.» Christoph Bautz
Zu sehen ist im folgenden Schaubild das Netzwerk von 500 nichtsahnenden Haustierfreunden, die sich während zwei Wochen regelmässig via Twitter mit einem Roboter ("JamesMTitus" - kein Mensch, sondern der Tarnname einer von Neuseeländern programmierten Software) unterhalten haben. In dieser Zeit erhielt das künstliche Profil fast 200 Antworten von anderen Nutzern und konnte 107 "Follower" gewinnen. Soziale Netzwerke lassen sich demnach effektiv unterwandern.
«Das Vertrauen ins Kollektiv hat sich in der Geschichte als fatal erwiesen.» Jaron Lanier, 51, Informatiker, Essayist und Professor an der Eliteuniversität Berkley, USA
Die letzte Abbildung zeigt die "Geburt" eines Schwarms. Diskussionen via Twitter entstehen rasch, wie die nachstehende Visualisierung "revisit" von Moritz Stefaner aus Worpswede aufzeigt. Jedes Kästchen steht für eine Twitter-Nachricht, je weiter es in der Mitte zu finden ist, desto öfter wurde der Tweet weitergeleitet.
