Katrin Seifer beschreibt in der aktuellen Ausgabe von merz - zeitschrift für medienpädagogik, 50. Jahrgang / Nr. 3, Juni 2006, die Möglichkeiten und Chancen digitaler Medien für die Bildungsarbeit in der Dritten Welt. Nachstehend sollen die wichtigsten Aspekte aus diesem Artikel festgehalten werden.

Unzureichende Rahmenbedingungen der Nutzung von digitalen Medien sind für die Entstehung des multidimensionalen Phänomens "Digitale Kluft" verantwortlich. Unter der Prämisse der maximalen Partizipation von Ländern der Dritten Welt an den Möglichkeiten dieser Medien sind bei der Konzipierung von Bildungsprojekten spezifische Kriterien des Medieneinsatzes zu beachten. Anhand der Darstellung zweier Projekte aus der praktischen Bildungsarbeit soll überprüft werden, ob sie einen Beitrag dazu leisten, die Digitale Kluft zu verringern.

Was bisher geschah?
Die Vereinten Nationen führten 2003 in Genf einen Weltgipfel zur globalen Informationsgesellschaft (WISIS) mit dem Ziel der Entwicklung von Lösungsansätzen zur Überwindung der Digitalen Kluft durch. Dabei verpflichtete sich die internationale Gemeinschaft, den weltweiten Anschluss von Schulen, Bibliotheken, Krankenhäusern und öffentlichen Verwaltungen an das globale Netz bis 2015 sicherzustellen.
Die UNESCO forderte im zweiten Teil 2005 in Tunis zusammen mit Nicht-Regierungsorganisationen das Streben nach Wissensgesellschaft - in Abgrenzung zu Informationsgesellschaften -, die auf Meinungsfreiheit, kultureller und sprachlicher Vielfalt, freiem Zugang zu Wissen sowie gleichen Bildungschancen basieren.
Ausserdem wurde auf dem Weltgipfel der Prototyp des 100-Dollar-Notebooks vorgestellt, der künftig an Bildungsministerien benachteiligter Länder verkauft und anschliessend an Schüler/innen verteilt werden soll. Zudem wurde die Einrichtung eines Fonds zur Förderung von Computerprojekten in Entwicklungsländern beschlossen.


Technische und inhaltliche Kriterien des bildungsrelevanten Medieneinsatzes in Entwicklungsländern
Mediendidaktische Konzepte, welche sich in den Industrieländern bewährt haben, können wegen den unterschiedlichen Rahmenbedingungen nicht ohne Weiteres in die Bildungsarbeit der Dritten Welt übernommen werden. Daraus ergeben sich folgende technische und inhaltliche Kriterien, welche für die praktische Bildungsarbeit hohe Relevanz haben:

Technische Kriterien
- Niedrige Kosten
- Kollektiver Zugang
- Verwendung von angemessener Technik
- Einbindung freier Software

Inhaltliche Kriterien
- Alphabetisierung und Sprache
- Zugang zu Wissensdatenbanken und Bildungsnetzwerken
- Gefahr der kulturellen Homogenisierung
- Nachhaltigkeit der Entwicklungsprojekte

Mit dem Zugang zu Internettechnologien ist für Dritte Welt-Länder eine neue Chance der gesellschaftlichen Teilhabe verbunden. Der existierende Teufelskreis aus Armut und technologischer Rückständigkeit muss aufgebrochen werden. Hierzu bedarf es für Entwicklungsländer eigens entwickelte Ansätze im Umgang mit digitalen Medien.


Ausgewählte Bildungsprojekte der Dritten Welt:
African Virtual University

Die African Virtual University (AVU) soll Möglichkeiten eröffnen, pädagogische Inhalte aus aller Welt durch die Verwendung von ICT zu afrikanischen Universitäten und deren Studierenden zu bringen. Seit 2002 hat die AVU damit begonnen, selbst konzipierte Zertifikats- und Diplomstudiengänge in jenen Fachgebieten anzubieten, welche als entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung angesehen werden. Die medienbasierte Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften auf Hochschulebene ist ein weiterer Schwerpunkt der Bildungsarbeit der AVU. Dabei sollen Multiplikatoren ausgebildet werden, welche fähig sind, Lerninhalte für Methoden des Offenen Lernens, des Fernstudiums und des E-Learnings gezielt auszuwählen und aufzubereiten, um so die Qualität in afrikanischen Primar- und Sekundarschulen zu erhöhen.

Mobile Internet Unit
Im malaysischen Entwicklungsprojekt Mobile Internet Unit (MIU) für den computerunterstützten Unterricht wird ein Multimediabus eingesetzt, der primär in ländlichen Gegenden mangelhaft versorgte Primar- und Sekundarschulen anfährt. Ziel ist es, Schüler/innen und Lehrer/innen in eigens für dieses Projekt konzipierten Trainingsmodulen und Workshops eine Grundkompetenz mit ICT zu vermitteln. Im Anschluss an die Computerschulung erhält jede Schule einen modernen Computer und ein kostenloses Internetkonto sowie freien Platz auf dem MIU-Server; damit wird die Nachhaltigkeit sichergestellt. Dieses innovative Entwicklungsprojekt aus Malaysia soll künftig in die Bildungsarbeit anderer Länder der Dritten Welt aufgenommen werden.


Weitere Informationen