20. Mai 2009
Neue Medien: Fluch oder Segen?
Letzte Woche fand am Institut für Soziale Arbeit (IFSA) der FHS St.Gallen ein Medienseminar der besonderen Art statt. Während zwei Tagen setzten sich die FHS-Studierenden unter der Leitung von Medienwissenschaftlerin Selina Ingold und dem Soziologen Mark Riklin mit dem Thema "Neue Medien - Fluch oder Segen?" auseinander. Die beiden FHS-Dozierenden sind in der Medienpädagogik-Szene bestens bekannt durch ihre originellen öffentlichen Medienprojekte (u.a. Initianten des Rorschacher Schatzsucher), die sie seit Jahren mit ihren Studierenden in der Stadt Rorschach durchführen. Das Medienseminar war für die beiden zugleich ein Testlauf für den bevorstehenden Zertifikatslehrgang (CAS) Medienpädagogik - Medienkompetenz im Zeitalter der Neuen Medien, der im Herbst 2009 zum 2. Mal in Rorschach stattfinden wird.

Das 2-tägige Medienseminar startete mit einem Check-In, bei dem die Studierenden ihre Boardingkarte abgeben und einen Fragebogen zum User-Verhalten neuer und alter Medien ausfüllen konnten. Diese Erhebung diente als Einstimmung in das Thema und als Grundlage für die spätere Gruppeneinteilung.

Anschliessend folgten 3 Impulsreferate zu den Themen:
1. Medienpädagogik: Auf den Punkt gebracht
2. Medienpädagogische Positionen: Schutzraum oder Eigenentwicklung?
3. Mediale Lebenswelten der Digital Natives
Beim ersten Impulsreferate ging es darum, aktuelle Entwicklungen im Internet aufzuzeigen und sie sowohl in Bezug auf ihre positiven als auch auf negativen Seiten zu reflektieren. Das 2. Impulsreferat war ein Pladoyer für ältere Medien und im 3. Referat ging es darum aufzuzeigen, was unter Medienpädagogik verstanden (inkl. medienpädagogische Positionen und mediale Lebenswelten der Digital Natives).

Ausserdem setzten sich die Lernenden mit den folgenden 3 medienpädagogischen Positionen des Medienpädagogen Prof. Dr. Reto Eugster auseinander:
- Position 1: Schutzraum Kindheit
- Position 2: Kraft der Eigenentwicklung
- Position 3: Medienereignisse als pädagogische Anlässe

Erläutert wurden schliesslich auch die Konzepte der 'Digital Immigrants' und 'Digital Natives': 'Digital Natives' (geboren zwischen 1980 und 2000) können sich an eine Welt ohne Computer und MP3-Player nicht erinnern. Sie tippen SMS in Lichtgeschwindigkeit, haben noch nie einen Brief geschrieben. Den Umgang mit dem Handy lernten sie neben dem Schuhebinden und Fahrradfahren. 'Digital Immigrants' (geboren zwischen 1960 und 1980), die Eltern der Digital Natives, lernten den Umgang mit Computer und Handy erst im Laufe ihres Lebens und haben auch heute noch eine gewisse Scheu vor technischen Entwicklungen. Sie interessieren sich zwar für Neue Medien, mehr als Neugierde ist das aber nicht (Quelle: Arbeitsunterlagen zum Medienseminar).
Die Auswertung des Check-In-Fragebogens und die anschliessende Selbsteinschätzung der Studierenden, ob sie sich zu den 'Digital Immigrants' oder zu den 'Digital Natives' zählen, zeigt ein interessantes von mir aber eigentlich erwartetes Resultat. Obwohl die Mehrheit (13/19) der Studierenden nach 1980 geboren sind, zählten sich nur 6/19 Teilnehmende zu den 'Digital Natives'. Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Zugehörigkeit zur Net-Generation - wie die 'Digital Natives' auch genannt werden - nicht primär vom Alter abhängt, sondern vielmehr vom täglichen selbstverständlichen Umgang mit Medien. Siehe dazu John Palfrey/Urs Gasser (2008). Generation Internet. Die Digital Natives: Wie sie leben - Was sie denken - Wie sie arbeiten. Hanser. Die Mehrheit der Studierenden, die am Medienseminar teilnahmen, sind weiblich. Dass auch das Geschlecht bei der Selbsteinschätzung zu 'Digital Immigrants' oder 'Digital Natives' eine Rolle spielen könnte, finde ich eine spannende These zum Thema "Digitaler Graben".

Als Gast und Experte war ich dann am Donnerstagmittag an die Vernissage der Ideen eingeladen und durfte dort meine Eindrücke zu den nachfolgenden Gruppenarbeiten schildern.

Alle Plakat-Ideen wurden im Verlaufe der Vernissage zusätzlich mit Kommentaren der Teilnehmenden versehen. Beachtenswert finde ich die grosse Vielfalt an kreativen Ideen, die in so kurzer Zeit während dem Medienseminar entstanden. Sehr spannend wäre nun natürlich die konkrete Umsetzung der einen oder anderen Idee (z.B. "Das Glück der Unerreichbarkeit" oder "Lost in Media").








Es fällt auf, dass die Neuen Medien in vielen Gruppen eher als "Fluch" und weniger als "Segen" wahrgenommen wurden. So suchten die FHS-Studierenden mehrheitlich nach Strategien, wie man/frau sich den Neuen Medien und somit der Medien- und Informationsüberflutung entziehen kann. Lesenswert hierzu Miriam Meckel (2009). Das Glück der Unerreichbarkeit. Wege aus der Kommunikationsfalle. Goldmann).

In diesem Zusammenhang fällt mir ein spannendes Zitat von David Weinberger ein:
«The cure to information overload is more information»
(vgl. David Weinberger (2008). Das Ende der Schublade. Die Macht der neuen digitalen Unordnung. Hanser; Titel der Originalausgabe: Everything is Miscellaneous. The Power of the New Digital Disorder. New York, Times Books 2007.)
Das Medienseminar zum Thema "Neue Medien - Fluch oder Segen?" faszinierte einerseits durch seine originelle Didaktik und Methodik, und andererseits natürlich auch thematisch. Während dem Seminar hatte ein Student André Triebe die Rolle des Dokumentalisten und hielt alle Aktivitäten der Teilnehmenden mit Fotos und Videos fest. Einige Fotos wurden mit Foto-Onlinetool BeFunky.com etwas verändert. M.E. eine gute Möglichkeit, um Fotos von Studierenden-Aktivitäten im Internet zu publizieren, ohne deren Persönlichkeitsrechte zu verletzen.


Das 2-tägige Medienseminar startete mit einem Check-In, bei dem die Studierenden ihre Boardingkarte abgeben und einen Fragebogen zum User-Verhalten neuer und alter Medien ausfüllen konnten. Diese Erhebung diente als Einstimmung in das Thema und als Grundlage für die spätere Gruppeneinteilung.

Anschliessend folgten 3 Impulsreferate zu den Themen:
1. Medienpädagogik: Auf den Punkt gebracht
2. Medienpädagogische Positionen: Schutzraum oder Eigenentwicklung?
3. Mediale Lebenswelten der Digital Natives
Beim ersten Impulsreferate ging es darum, aktuelle Entwicklungen im Internet aufzuzeigen und sie sowohl in Bezug auf ihre positiven als auch auf negativen Seiten zu reflektieren. Das 2. Impulsreferat war ein Pladoyer für ältere Medien und im 3. Referat ging es darum aufzuzeigen, was unter Medienpädagogik verstanden (inkl. medienpädagogische Positionen und mediale Lebenswelten der Digital Natives).

Ausserdem setzten sich die Lernenden mit den folgenden 3 medienpädagogischen Positionen des Medienpädagogen Prof. Dr. Reto Eugster auseinander:
- Position 1: Schutzraum Kindheit
- Position 2: Kraft der Eigenentwicklung
- Position 3: Medienereignisse als pädagogische Anlässe

Erläutert wurden schliesslich auch die Konzepte der 'Digital Immigrants' und 'Digital Natives': 'Digital Natives' (geboren zwischen 1980 und 2000) können sich an eine Welt ohne Computer und MP3-Player nicht erinnern. Sie tippen SMS in Lichtgeschwindigkeit, haben noch nie einen Brief geschrieben. Den Umgang mit dem Handy lernten sie neben dem Schuhebinden und Fahrradfahren. 'Digital Immigrants' (geboren zwischen 1960 und 1980), die Eltern der Digital Natives, lernten den Umgang mit Computer und Handy erst im Laufe ihres Lebens und haben auch heute noch eine gewisse Scheu vor technischen Entwicklungen. Sie interessieren sich zwar für Neue Medien, mehr als Neugierde ist das aber nicht (Quelle: Arbeitsunterlagen zum Medienseminar).
Die Auswertung des Check-In-Fragebogens und die anschliessende Selbsteinschätzung der Studierenden, ob sie sich zu den 'Digital Immigrants' oder zu den 'Digital Natives' zählen, zeigt ein interessantes von mir aber eigentlich erwartetes Resultat. Obwohl die Mehrheit (13/19) der Studierenden nach 1980 geboren sind, zählten sich nur 6/19 Teilnehmende zu den 'Digital Natives'. Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Zugehörigkeit zur Net-Generation - wie die 'Digital Natives' auch genannt werden - nicht primär vom Alter abhängt, sondern vielmehr vom täglichen selbstverständlichen Umgang mit Medien. Siehe dazu John Palfrey/Urs Gasser (2008). Generation Internet. Die Digital Natives: Wie sie leben - Was sie denken - Wie sie arbeiten. Hanser. Die Mehrheit der Studierenden, die am Medienseminar teilnahmen, sind weiblich. Dass auch das Geschlecht bei der Selbsteinschätzung zu 'Digital Immigrants' oder 'Digital Natives' eine Rolle spielen könnte, finde ich eine spannende These zum Thema "Digitaler Graben".

Als Gast und Experte war ich dann am Donnerstagmittag an die Vernissage der Ideen eingeladen und durfte dort meine Eindrücke zu den nachfolgenden Gruppenarbeiten schildern.

Alle Plakat-Ideen wurden im Verlaufe der Vernissage zusätzlich mit Kommentaren der Teilnehmenden versehen. Beachtenswert finde ich die grosse Vielfalt an kreativen Ideen, die in so kurzer Zeit während dem Medienseminar entstanden. Sehr spannend wäre nun natürlich die konkrete Umsetzung der einen oder anderen Idee (z.B. "Das Glück der Unerreichbarkeit" oder "Lost in Media").








Es fällt auf, dass die Neuen Medien in vielen Gruppen eher als "Fluch" und weniger als "Segen" wahrgenommen wurden. So suchten die FHS-Studierenden mehrheitlich nach Strategien, wie man/frau sich den Neuen Medien und somit der Medien- und Informationsüberflutung entziehen kann. Lesenswert hierzu Miriam Meckel (2009). Das Glück der Unerreichbarkeit. Wege aus der Kommunikationsfalle. Goldmann).

In diesem Zusammenhang fällt mir ein spannendes Zitat von David Weinberger ein:
«The cure to information overload is more information»
(vgl. David Weinberger (2008). Das Ende der Schublade. Die Macht der neuen digitalen Unordnung. Hanser; Titel der Originalausgabe: Everything is Miscellaneous. The Power of the New Digital Disorder. New York, Times Books 2007.)
Das Medienseminar zum Thema "Neue Medien - Fluch oder Segen?" faszinierte einerseits durch seine originelle Didaktik und Methodik, und andererseits natürlich auch thematisch. Während dem Seminar hatte ein Student André Triebe die Rolle des Dokumentalisten und hielt alle Aktivitäten der Teilnehmenden mit Fotos und Videos fest. Einige Fotos wurden mit Foto-Onlinetool BeFunky.com etwas verändert. M.E. eine gute Möglichkeit, um Fotos von Studierenden-Aktivitäten im Internet zu publizieren, ohne deren Persönlichkeitsrechte zu verletzen.





Kommentare
Ja, ich teile deine Meinung. Ich denke auch, dass die Generation iPhone - sprich Kinder im heutigen Volksschulalter - die eigentlichen 'Digital Natives' der Net-Generation sein werden. Meine bisherigen Erfahrung mit unseren Studierenden weisen jedenfalls darauf hin, dass sich auch diese wohl mehrheitlich zu den 'Digital Immigrants? zählen würden. Ob hier der hohe Frauenanteil wohl auch noch eine Rolle spielt?!
Gruss Martin