Immer wieder lese ich sehr gerne die Kolumne von Frau Prof. Dr. Andrea Back im monatlichen Newsletter E-Learning des Learningcenter der UNISG. Die nachstehende Kolumne erinnert mich sehr stark an Diskussionen, die ich dieses Semester mit meinen Studierenden geführt habe. Manfred Spitzer hat halt doch so seine Spuren hinterlassen; nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil es doch viel einfacher ist, so "einfach" zu argumentieren; das ist doch wirklich hirnrissig!

"Das ist doch hirnrissig" (Manfred Spitzer, Neurowissenschaftler)

Die Ausgabe 23/2006 der Weltwoche (http://www.weltwoche.ch) macht mit folgendem Aufmacher auf ihren aktuellen Beitrag der Rubrik "Das Weltwoche-Gespräch" aufmerksam: "Fernseher und Computer bedrohen die Gesellschaft."
Aber was sagt der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer denn nun wirklich und wortwörtlich dazu? So heiss formuliert wie betitelt wird es dann wohl doch nicht sein - oder? Sehen Sie mir nach, wenn ich diesmal einfach Zitate aus dem Interview für sich sprechen lasse. Ob es an der plötzlichen sommerlichen Hitze liegt, das mir nicht nach weiterer Kommentierung ist?

"Der wirtschaftliche Erfolg eines Landes hängt letztlich vom Bildungsniveau ab, und das Bildungsniveau steht in direktem Zusammenhang mit dem Fernsehkonsum." ... "Die Kenntnisse gehen runter wie ein Fahrstuhl. Warum? Weil Bildschirm- und Medienkonsum für unsere Kinder und Jugendlichen heute nach dem Schlafen die zweithäufigste Tätigkeit überhaupt ist." ... "Sie können an jeder Studie irgendetwas zu Recht kritisieren, aber es fuchst mich, wenn man die überwältigende Tendenz all dieser Untersuchungen einfach ignoriert. Dass Fernsehen dumm, dick und gewalttätig macht, ist die plausibelste Geschichte, die man aus all den Daten lesen kann." ... "Auch der Computer tut der geistigen Entwicklung der Jüngeren nicht gut. Ich rate davon ab." ... "Was Kinder und Jugendliche lernen müssen, lernen sie viel besser ohne Computer." ... "Ein gutes Buch ist als Lernmittel dem Internet haushoch überlegen." ... "Der Lehrer ist nicht nur nicht ersetzbar, er wird durch die weltweite Verfügbarkeit von Informationen eigentlich erst besonders wichtig." ... "Während die Schüler immer wieder behaupten, sie hätten grossen Schulstress, sind sie rein physiologisch kurz vor dem Tiefschlaf, ihre emotionale Beteiligung ist vollkommen am Boden. Am Nachmittag dagegen vor dem Bildschirm gehen die Emotionen rauf und runter, aber die Kinder sagen, sie würden sich dabei entspannen." ... "Ich bin ein neugieriger Mensch und hoch motiviert, die Bildungslandschaft zu verändern. Ich schaffe das alles auch deshalb, weil ich keine Minute vor dem Fernseher vergeude."

Wusste ich es doch. Der Fernseher kriegt so richtig sein Fett ab, und der "Computer" - und damit das "e-" mitten drin auch noch kurz eins drauf - vermutlich vor allem deshalb, weil er der Glotzkiste äusserlich so gleicht. Der provokative Aufmacher hat für die Weltwoche jedenfalls funktioniert, im Forum sind 57 Beiträge dazu verfasst worden (http://www.weltwoche.ch/forum/threads.asp?AssetID=14173&ThreadID=0). Nicht viel Substanzielles, wie ich finde, aber vielleicht klinken Sie sich ja noch ein!

Quelle: Newsletter E-Learning 5/2006, 6. Jahrgang.