16. November 2006
Einige Gedanken zum Mobile Learning Day in Hagen
Bildquelle: Arcadeon. Haus der Wissenschaft und Weiterbildung, Hagen.
Ich habe gestern den Mobile Learning Day des Mobile Education Center of Excellence der FernUniversität in Hagen besucht. Die Tagung war mit über 100 BesucherInnen – Herr Maciej Kuszpa vom Organisationsteam hat etwa die Hälfte erwartet - sehr gut besucht. Inhaltlich habe ich etwas die konkreten Praxisprojekte vermisst. Einige Anbieter (afelio, sms coaching, bango) haben wie so üblich versucht, ihre Produkte zu vermarkten.
Dennoch hat mir der Mobile Learning Day einige aufschlussreiche Aspekte aufgezeigt. So unter anderem, wo wir heute bezüglich des Mobilen Lernens in der gesamten deutschsprachigen Bildungslandschaft stehen:
Wir stecken noch tief in den Kinderschuhen!
Ich habe gestern den Mobile Learning Day des Mobile Education Center of Excellence der FernUniversität in Hagen besucht. Die Tagung war mit über 100 BesucherInnen – Herr Maciej Kuszpa vom Organisationsteam hat etwa die Hälfte erwartet - sehr gut besucht. Inhaltlich habe ich etwas die konkreten Praxisprojekte vermisst. Einige Anbieter (afelio, sms coaching, bango) haben wie so üblich versucht, ihre Produkte zu vermarkten.
Dennoch hat mir der Mobile Learning Day einige aufschlussreiche Aspekte aufgezeigt. So unter anderem, wo wir heute bezüglich des Mobilen Lernens in der gesamten deutschsprachigen Bildungslandschaft stehen:
Wir stecken noch tief in den Kinderschuhen!
Herausgestochen ist am Mobile Learning Day der Beitrag Deutsch für Fans und Touristen - Mobiles Lernen für mobile Menschen von André Moeller, der konkret über die mobile Content-Produktion der Deutschen Welle berichtete. Hier wurde kostenloser mobiler Content speziell für die Fans und Touristen der Fussball-WM entwickelt. Wobei die Fussball-Fans zu Alltagssituationen jederzeit bei Bedarf einen Deutschsprachkurs übers Handy abrufen konnten.
Spannend aber etwas zu wenig fokussiert war auch das Referat Contextualized Learning with Mobile Devices von Marcus Specht vom Educational Technology Expertise Centre von der Open Universiteit Nederland. Marcus Specht hat in seinem Referat einige interessante Forschungsergebnisse zu pädagogischen Aspekten und zahlreiche (Forschungs-)Projekte aus dem Mobile Learning Umfeld aus Holland präsentiert. Besonders gefallen hat mir bei seinen Ausführungen, dass diese Projekte auch mit Schüler/innen wirklich erprobt wurden.
Erfrischen und aufschlussreich war auch das Referat Das Phänomen nutzen: Handys als Lernmaschinen von Karsten Meier von der Firma handylearn projects . Karsten Meier hat u.a. folgende kostenpflichtige Java-Projekte entwickelt: Prüfungsvorbereitung für den Segelschein, Lernen für das Medizinstudium, Virtuelles Gedächtnistraining und Mathematische Simulation.
Erkenntnisreich waren für mich aber besonders die Erfahrungen mit mobilen E-Learning, welche in den letzten Jahren an der Mobile Education Center of Excellence der FernUniversität in Hagen gemacht wurden. Der Initiant des Mobile Learning Day Maciej Kuszpa berichte in seinem Referat Mobile Learning in der Wirtschaft – Status quo 2006 und besonders im Artikel Manager lernen mit dem Handy – Erfahrungen mit mobilem E-Learning in der Weiterbildung von Führungskräften (in: Andreas Hohenstein/Karl Wilbers (Hrsg.) Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis. 13. Erg. Lfg. August 2005) ausführlich und offen über die gemachten positiven und negativen Erfahrungen mit dem Mobile Learning. Dabei wurde u.a. die Erkenntnis gewonnen, dass sich das Mobile Learning bei den Studierenden eher für die Nachbearbeitung von bekannten Inhalten eignet, als für das Erlernen von neuen Lerninhalten. Zudem muss beim Lernen an jedem Ort und zu jeder Zeit stets die Lernumgebung mitberücksichtigt werden.
Als vorläufiges Fazit könnte gelten: „Das grosse Potential sowohl für Lernende wie auch für Lehrende ist heute zwar unbestritten, gleichwohl steckt aber das Lernen mit mobilen Endgeräten noch in den Kinderschuhen. Es muss in diesem Feld noch viel Pionierarbeit geleistet, viel ausprobiert und viel verbessert werden – insbesondere in enger Zusammenarbeit mit den Lernenden.“
Ich werde in den nächsten Tagen zudem das Autorentool Mobile Learning Maker v1.0 testen, welches alle Teilnehmenden von der FernUniversität Hagen als Präsent erhalten haben. Mit diesem Autorentool lassen sich kurze Module in der Form von Lückentext, Multiple-Choice- und Richtig/Falsch-Aufgaben für die Überprüfung des Lernerfolges.
Abschliessend einige Merksätze, die ich mir am Mobile Learning Day notiert habe:
- Mobile Learning – hier ist das Lernen mit mobilen Geräten wie Handys, Handhelds, Smartphones gemeint und nicht das Lernen mit Notebooks – wird zwar von vielen propagiert, aber nur von wenigen bislang auch wirklich praktiziert!
- Mobile Learning wird sich nur dann durchsetzen können, wenn die Mobilfunkbetreiber wie z.B. in England eine Flaterate anbieten!
- Mobile Learning kann immer nur eine Ergänzung zu anderen Lernformen sein!
- Mobile Learning wird zur Unterstützung im Selbststudium zunehmend an Bedeutung gewinnen!
- Mobile Learning ermöglicht lebenslanges Lernen an jedem Ort und zu jeder Zeit. Wir brauchen aber auch Lernoasen, in denen wir nicht lernen, sondern einfach sind!




Kommentare
Der Zusammenhang ist doch offensichtlich: Schulen kämpfen gegen Bewegungsarmut, Übergewicht etc. Mir liegen immer noch die Worte einer Primarlehrerin in den Ohren ... sie meinte, es gebe immer mehr Kinder, die unfähig wären rückwärts über eine gewisse Strecke zu gehen ... weil sich die Kinder immer weniger bewegten und in der Schule auch noch den ganzen Tag (möglichst ruhig) dasitzen müssen ... gleiches gilt wohl auch an höheren Schulen ...
==>Es wäre zu diskutieren, ob und wie Gesundheitsförderung (eben bewegtes Lernen) und die Thematik "Mobile Learning" in Verbindung gebracht werden könnten!
Jetzt ist es ja noch so, dass seitens der Bewegungsförderer nicht gerade schmeichelhaft über Medien (Compi, TV, Spielkonsolen, ...) gesprochen wird.
Hier böte sich eine Allianz an, von der aber beide Seiten profitieren könnten! Es würde der Thematik Mobile Learning eine Health-Touch geben und umgekehrt einen Tech-Touch :-)))
Lernen mit Handy oder Mobile Devices jedwelcher Art würde vielleicht die Chance bieten, Kinder beim Lernen auch zu bewegen! Das wär doch ein ganz offensichtlicher Mehrwert ... auch ohne ausgeklügelte mediendidaktische Analyse :-)
Den Einsatz von Handys und anderen mobilen Geräten sehe ich vorzugsweise dort, wo Unterricht sich ausserhalb des Schulzimmers abspielt; nämlich beim Lernen an ausserschulischen Lernorten (Exkursion, Lehrausgang, Lehrwanderung, Erkundung etc.). An Orten, wo Lernen in "echten" komplexen Situationen stattfindet und die Originalbegegnung im Zentrum steht. Hier können m.E. mobile Geräte als Informations-, Kommunikations-, und Dokumentationswerkzeuge ihre Vorzüge ausspielen.
Den Einsatz von Handys und anderen mobilen Geräten zum Lernen und Üben - primär dem Vertiefen von Lerninhalten - sehe ich vorzugsweise dort, wo die Zeit ausserhalb des ordentlichen Unterrichts mit kleinen "Lernhäppchen" genutzt werden kann. So beispielsweise auf dem Nachhauseweg im Zug oder im Bus bzw. immer dort, wo unsere Kids sowieso das Handy hervornehmen und aus Langeweile ein SMS schreiben würden.
Was mich persönlich am Handy als Endgerät stört, ist neben den Kosten der kleine Screen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich draussen im Wald konzentriert auf dieses kleine Ding schauen und auch lesen soll, dann finde ich das nicht wirklich attraktiv!
Ich selber kann mir sehr gut vorstellen, dass in meinem Leben ein Gerät, das sehr schnell an- und ausgeschaltet ist, das wenig kostet (Anschaffung und Betrieb) und leistungsfähig ist (auch von der Tastatur her, z.B.) eine echte Chance hätte. So ist es mir im Zug beispielsweise für 20 Min. einfach zu blöd, den Compi hochzufahren: ausklappen und loslegen, das wärs...und dann dürfte es wirklich noch kleiner, robuster sein....eben für mich als mobilen Menschen! - Aber wir schauen uns ja diese Varianten dann im nächsten Okt./Nov. an der Messe in St.Gallen an, oder?
http://medienpaedagogik.kaywa.com/p331.html
Noch einige weitere Gedanken zu:
Mobile Learning mit Handys an Schulen - heute, nicht erst morgen!
Die Diskussion zu Mobile Learning zeigt deutlich, wohin die Reise gehen könnte. Da wird viel über Potenziale, Chancen und die Zukunft von mobilem Lernen gesprochen...ermutigend...alles wird gut, oder zumindest besser. :-)
Zur Realität an CH-Schule: Handys werden an immer mehr Schulen nicht geduldet und vom Schulareal verbannt. Eltern interessieren sich nicht für die Handys ihrer Kinder. Hier entsteht ein Vakuum, welches sinnvoll gefüllt werden sollte.
Ohne die Diskussion zu vertiefen böte sich aber heute(!) schon die Chance, Handys für das Lernen an Schulen gewinnbringend einzusetzten (und nicht erst morgen):
So biete ich bspw. in meinen Franz.- und Deutschinputs (1. - 3. Sekundarklassen, 13-17 Jahre, www.elitesportschule.com) die Möglichkeit, dass sie Whiteboards mit meinen Erklärungen fotografieren und spreichern dürfen. Und: Die Lernenden können sich auch selber schwierige französische Begriffe / Sätze auf den Voice Recorder des Handys sprechen (und sich das ganze im Bus dann nochmals anhören oder eben die Bilder dazu nochmals anschauen).
Hier besteht auch die Möglichkeit, dass die Kids mir im Lernatelier ein Handy vorbeibringen und ich ihnen schwierige Vokabeln vorspreche. Diese Vokabeln können sie sich dann beim Lernen (kann ja dann auch im Zug sein) nochmals anhören. Dies eignet sich auch besonders gut, damit sich auditive Lerntypen schwierige Sprachstrukturen einprägen können (z. B. "Je vais les leur donner!", 2. Sek.)
Es besteht weiter aber auch die Möglichkeit, dass sie mit dem Handy eine Videoaufnahme machen, wenn ich am Whiteboard Aufgaben vorlöse und dabei laut denke und meine Schritte kommentiere (Stichworte "Metakognition" / "Monitoring" etc.). Dabei achte ich darauf, dass sie nur das Whiteboard filmen (inkl. meine Arme / Stift) und meine Stimme aufgenommen wird. Auch hier: Gerade bei Prüfungsvorbereitungen hilf dies ausserordentlich, wenn die Kids sich nochmals ansehen können, wie ich etwas erklärt habe.
In allen Fällen bestünde auch heute schon die Möglichkeit, teilweise die Lernreflexion über das Handy machen zu lassen. Beispiel für eine kurze Lernreflexion in 160 Zeichen ("metacognition nuget"), siehe unten in meinem Blog:
http://klippundklar.blog.de/?tag=Metakognition
Dabei muss die SMS ja nicht versendet werden, sie kann ja auch einfach nur gespeichert werden (Stichwort "Mini-ePortfolio").
Es besteht heute schon viel Potenzial, das Handy als Lern-Lehr-Tool zu verwenden. Die Diskussionen darüber wird aber zu oft durch Killerphrasen wie "Screen zu klein", "Tastatur zu mühsam", "Akku zu schwach", ... bestimmt. Dabei vertröstet man gerne auf morgen - schade eigentlich! ;-)
Vielen Dank für deinen engagierten und wertvollen Beitrag! Also dann, starten doch gleich gemeinsam einige konkrete kleinere Mobile Learning Projekte!
Ich berichte übrigens regelmässig über Mobile Learning Aktivitäten in der Schule auf meinem 2. Blog "MobileatSchool" http://mobileatschool.kaywa.ch.
Hab mit den PH-Studenten mikroskopiert. Am Schluss versuchte einer, mit seiner Handy-Kamera ein Bild des Mikroskopierten zu schiessen - und es wurde erstaunlich gut!
Nun könnte man das auf die Schule übertragen: wer findet den besten Ausschnitt und dokumentiert diesen mit einem Handy-Foto? Der Motivation würde es sicher nicht schaden.
Die Vokabeln werden dabei in verscheidenen Rubriken im Handy gespeichert. Neue Vokabeln trägt man entweder händisch ein oder läd sie mittels Bluetooth von einem anderen Handy.
Alternativ können Vokabeln von einer Datei aus dem Internet geladen werden oder direkt von meinem Portal (basierend auf moodle): http://www.schule-mobil.de. Mit dem Benutzernamen hat man mit dem Handy Zugriff auf seine eigenen Vokabeln.
Wer möchte kann es ja einmal ausprobieren. Viel Spaß dabei.