Bildquelle: Arcadeon. Haus der Wissenschaft und Weiterbildung, Hagen.

Ich habe gestern den Mobile Learning Day des Mobile Education Center of Excellence der FernUniversität in Hagen besucht. Die Tagung war mit über 100 BesucherInnen – Herr Maciej Kuszpa vom Organisationsteam hat etwa die Hälfte erwartet - sehr gut besucht. Inhaltlich habe ich etwas die konkreten Praxisprojekte vermisst. Einige Anbieter (afelio, sms coaching, bango) haben wie so üblich versucht, ihre Produkte zu vermarkten.

Dennoch hat mir der Mobile Learning Day einige aufschlussreiche Aspekte aufgezeigt. So unter anderem, wo wir heute bezüglich des Mobilen Lernens in der gesamten deutschsprachigen Bildungslandschaft stehen:
Wir stecken noch tief in den Kinderschuhen!

Herausgestochen ist am Mobile Learning Day der Beitrag Deutsch für Fans und Touristen - Mobiles Lernen für mobile Menschen von André Moeller, der konkret über die mobile Content-Produktion der Deutschen Welle berichtete. Hier wurde kostenloser mobiler Content speziell für die Fans und Touristen der Fussball-WM entwickelt. Wobei die Fussball-Fans zu Alltagssituationen jederzeit bei Bedarf einen Deutschsprachkurs übers Handy abrufen konnten.
Spannend aber etwas zu wenig fokussiert war auch das Referat Contextualized Learning with Mobile Devices von Marcus Specht vom Educational Technology Expertise Centre von der Open Universiteit Nederland. Marcus Specht hat in seinem Referat einige interessante Forschungsergebnisse zu pädagogischen Aspekten und zahlreiche (Forschungs-)Projekte aus dem Mobile Learning Umfeld aus Holland präsentiert. Besonders gefallen hat mir bei seinen Ausführungen, dass diese Projekte auch mit Schüler/innen wirklich erprobt wurden.
Erfrischen und aufschlussreich war auch das Referat Das Phänomen nutzen: Handys als Lernmaschinen von Karsten Meier von der Firma handylearn projects . Karsten Meier hat u.a. folgende kostenpflichtige Java-Projekte entwickelt: Prüfungsvorbereitung für den Segelschein, Lernen für das Medizinstudium, Virtuelles Gedächtnistraining und Mathematische Simulation.

Erkenntnisreich waren für mich aber besonders die Erfahrungen mit mobilen E-Learning, welche in den letzten Jahren an der Mobile Education Center of Excellence der FernUniversität in Hagen gemacht wurden. Der Initiant des Mobile Learning Day Maciej Kuszpa berichte in seinem Referat Mobile Learning in der Wirtschaft – Status quo 2006 und besonders im Artikel Manager lernen mit dem Handy – Erfahrungen mit mobilem E-Learning in der Weiterbildung von Führungskräften (in: Andreas Hohenstein/Karl Wilbers (Hrsg.) Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis. 13. Erg. Lfg. August 2005) ausführlich und offen über die gemachten positiven und negativen Erfahrungen mit dem Mobile Learning. Dabei wurde u.a. die Erkenntnis gewonnen, dass sich das Mobile Learning bei den Studierenden eher für die Nachbearbeitung von bekannten Inhalten eignet, als für das Erlernen von neuen Lerninhalten. Zudem muss beim Lernen an jedem Ort und zu jeder Zeit stets die Lernumgebung mitberücksichtigt werden.
Als vorläufiges Fazit könnte gelten: „Das grosse Potential sowohl für Lernende wie auch für Lehrende ist heute zwar unbestritten, gleichwohl steckt aber das Lernen mit mobilen Endgeräten noch in den Kinderschuhen. Es muss in diesem Feld noch viel Pionierarbeit geleistet, viel ausprobiert und viel verbessert werden – insbesondere in enger Zusammenarbeit mit den Lernenden.“

Ich werde in den nächsten Tagen zudem das Autorentool Mobile Learning Maker v1.0 testen, welches alle Teilnehmenden von der FernUniversität Hagen als Präsent erhalten haben. Mit diesem Autorentool lassen sich kurze Module in der Form von Lückentext, Multiple-Choice- und Richtig/Falsch-Aufgaben für die Überprüfung des Lernerfolges.

Abschliessend einige Merksätze, die ich mir am Mobile Learning Day notiert habe:
  • Mobile Learning – hier ist das Lernen mit mobilen Geräten wie Handys, Handhelds, Smartphones gemeint und nicht das Lernen mit Notebooks – wird zwar von vielen propagiert, aber nur von wenigen bislang auch wirklich praktiziert!
  • Mobile Learning wird sich nur dann durchsetzen können, wenn die Mobilfunkbetreiber wie z.B. in England eine Flaterate anbieten!
  • Mobile Learning kann immer nur eine Ergänzung zu anderen Lernformen sein!
  • Mobile Learning wird zur Unterstützung im Selbststudium zunehmend an Bedeutung gewinnen!
  • Mobile Learning ermöglicht lebenslanges Lernen an jedem Ort und zu jeder Zeit. Wir brauchen aber auch Lernoasen, in denen wir nicht lernen, sondern einfach sind!