[Gerd Homberg] Von der Instruktion zur aktiven Wissensaneignung

Didaktische Prinzipien
Unter didaktischen Prinzipien werden Grundsätze mit normativem Charakter verstanden, die zur Planung und Durchführung von Unterricht herangezogen werden und damit die Stoffauswahl und die Unterrichtsmethode begründen.


Lernen als ein eigenaktiver und konstruktiver Prozess
Als normatives Kriterium fast aller aktueller didaktischer Prinzipien fungiert die Betonung konstruktiver und eigenaktiver Aspekte der Wissensaneignung. In der Vergangenheit ist man von einem weitgehend problemlosen Wissenstransfer vom Lehrenden zum Lernenden ausgegangen. Instruktionalismus und Kognitivismus steuerten als Paradigmen die Auswahl der Lerninhalte und die Lehrmethode. Einige didaktische Prinzipien, die diese Paradigmen unterstützen, lauten:
- "Vom Leichten zum Schweren (Comenius),
- "Vom Allgemeinen zum Speziellen" (oder auch "deduktiv vs. induktiv")
- "Kontrastierendes Lernen"
- "Exemplarisches Lernen" (Wagenschein, Klafki).
Heute ist man sich einig, Lernen als einen eigenaktiven und konstruktiven Prozess zu beschreiben. Ergebnisse der Neuropsychologie und -biologie haben belegen können, dass beim Lernen individuelle Netzwerke entstehen. Der Aufbau und die Netzdichte sind durch Unterricht entscheidend zu beeinflussen. Schulischer Unterricht muss deshalb diese Konstruktionsprozesse beim Wissenserwerb berücksichtigen und aktiv unterstützen.
Die oben genannten traditionellen Paradigmen und Prinzipien verlieren deshalb aber nicht generell ihre Gültigkeit. Für die Übertragung und Verarbeitung des im Unterricht erworbenen Wissens müssen im Unterricht hinreichend Übungszeit und Anwendungsbeispiele zur Verfügung gestellt werden. "Aktive Wissenskonstruktion schliesst allerdings systematische Wissensvermittlung und instruktionale Unterstützung der Lernenden keineswegs aus; erst beides zusammen gewähleistet wirksame Lehr- und Lernprozesse." (Mandl / Reinmann-Rothmeier 2004).
Im Zusammenhang mit dem zu fordernden Paradigmenwechsel gewinnen folgende didaktische Prinzipien mit ihren offeneren Unterrichtsformen wieder an Bedeutung:
- Selbstgesteuertes Lernen,
- Problembasiertes Lernen,
- Projektbasiertes Lernen,
- Prozessbasiertes Lernen,
- Lernen durch Lehren, und
- Handlungsorientiertes Lernen.


Didaktisches Potential der digitalen Medien
Multimediale Lehr- und Lernarrangements können zur Umsetzung konstruktiver Formen des Wissenserwerb ausserordentlich gewinnbringend eingesetzt werden. Es sind im Wesentlichen vier Bereiche, in den digitale Medien den traditionellen Unterrichtsmedien deutlich überlegen sind:
- Information / Recherche
- Kommunikation / Kooperation
- Präsentation / Publikation
- Verarbeitungsgeschwindigkeit grosser Datenmengen

"Die aktive Förderung und Unterstützung eigenverantwortlichen Lernens mit neuen Medien schafft Raum und Zeit für vertiefende Dialoge, Diskussionen und sozialen Austausch und forciert darüber hinaus die Entwicklung von Kompetenzen zum (persönlichen) Wissensmanagement, die in der modernen Arbeitswelt immer mehr zu einem integralen Bestandteil beruflicher Tätigkeit werden." (Mandl und Reinmann-Rothmeier 2004)


Quelle: Computer+Unterricht, Heft 58.