* Jürgen Bofinger hat in der Zeitschrift merz. medien+erziehung, Heft 4/2007 einen interessanten Beitrag zu den immer wieder in der Öffentlichkeit auftauchenden Hiobsbotschaften über die Wertlosigkeit des computerunterstützten Unterrichts, speziell mit Schülerlaptops, verfasst:

Das fing mit diversen nationalen Tests an, die fachliches Wissen abfragten und dadurch haarscharf am wichtigsten Nutzen von Laptops vorbei zielten, nämlich überfachliche Schlüsselqualifikationen zu vermitteln, setzte sich fort mit Re-Analysen von PISA-Ergebnissen, die von einer Verdummung durch zu viel Computerumgang sprachen, ohne näher auf die Frage nach der Art des Umgangs mit Computern als Arbeits-, Lern- und Spielgerät einzugehen, und es endete (vorläufig) mit Meldungen aus den USA, nach denen Laptops an einigen Schulen wegen Erfolglosigkeit wieder ageschafft wurden.

* Jürgen Bofinger (2007). Digitale Medien im Fachunterricht. Schulische Medienarbeit auf dem Prüfstand. Auer Verlag Donauwörth, erscheint im September 2007.


Jürgen Bofinger stellt klar:
1. Schülerlaptops sind ausserordentlich nützliche Lern- und Arbeitswerkzeuge in der Schule. Sie haben sich belegbar bewährt. Mehr jedenfalls als jede andere Medienkonfiguartion, von den mobilen PC-Einheiten bis zum Computerraum.

2. Wenn sich Einsatzprobleme ergeben, so keine laptopspezifischen. Hauptverantwortlich sind die vorherrschende Schul- und Unterrichtssituation (Zeit-, Arbeitsbelastung der Lehrkräfte), eine verbreitete Mehrwertskepsis, die durch solche Nachrichten neue Nahrung erhält, die geringe Verbindlichkeit des Medieneinsatzes und die desolate Finanzlage mancher Sachaufwändungen.

Unter folgenden Bedingungen bringt der Einsatz digitaler Medien im Fachunterricht den grössten Mehrwert:
Die Studie zeigt, dass in einem offenen schülerorientierten Unterricht, in dem Schülerlaptops dazu noch regelmässig eingesetzt werden, nach Aussage der befragten Lehrkräfte der höchste unterrichtliche Mehrwert für die Schülerinnen und Schüler erzielt wird, während ein eher lehrerzentrierter Unterricht, in dem gelegentlich eine mobile PC-Einheit ('Medienwagen') eingesetzt wird, den geringsten Mehrwert bringt (weil Medien hierbei eher der Zeitersparnis im Instruktionalunterricht einer Lehrkraft dienen). Um dieses Resultat auf die Füsse zu stellen: Ein Unterricht, in dem die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Mädchen und Jungen im Vordergrund steht, profitiert in besonderer Weise von Schülerlaptops - aber eben in dieser Reihenfolge.

Es gibt ein weiteres schlagendes Argument für die Notwendigkeit einer intensiven Beschäftigung mit modernen Medien in der Schule, abgesehen von ihrem didaktischen Nutzen: Oft wiederholt und trotzdem richtig: Eine zeitgemässe Schule kann die Lebenswelt der Heranwachsenden und die Erfordernisse einer modernen Berufswelt nicht einfach ausblenden. Die Anknüpfung an die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen erfordert daher auch ein Anknüpfen an ihre Medienwelten.

Worum geht es also letztlich? Es geht
  • um die Entwicklung geeigneter Implementierungsstrategien (wie gelangen die bestehenden Angebote am besten in die Unterrichtspraxis?),
  • um eine starkere Anbindung medienpädagogischer Aktivitäten an die allgemeine Schul-und Unterrichtsentwicklung (weil 'neue' Medien noch nicht einen 'neuen' Unterricht bewirken, aber ein 'neuer' Unterricht druch 'neue' Medien erfolgreicher wird),
  • um eine koordinierte und zentrale Planung, Steuerung und Sicherung schulischer Medienumgebungen (weg von den üblichen Insellösungen und Leuchttürmen mit wenig Leuchtktaft),
  • um eine stärkere Verbindlichkeit der Medienbildung im Regelunterricht (Medien als Unterrichtsmittel, Medien als Unterrichtsthema), weil inzwischen alles andere als Medienarbeit 'verpflichtender' geworden ist - aber nicht als besondere Zusatzaufgabe, sondern als integraler Bestandteil des Unterrichts,
  • und nicht zuletzt um eine stärkere Förderung der Medienerziehung als besonders wichtiges Thema schulischer Werteerziehung ('Ernst machen' mit dem schulischem Erziehungs- und Bildungsauftrag).


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