Potentiale von ePortfolios - learning by reflecting
Das Heft e-learning. Lernen mit neuen Medien, Ausgabe 02/2006, im Heft managerSeminare gibt eine gute Einführung in die Potentiale von ePortfolios. Nachstehend einige Textauszüge:
ePortfolios sind mehr als digitale Bewebungsmappen: Mit ihrer Hilfe können Lernende ihre persönlichen Lern- und Entwicklungsprozesse steuern und gestalten. Nichtdestotrotz steht man dem Thema im deutschsprachigen Raum eher zurückhaltend gegenüber: Nur wenige Universitäten, Unternehmen und Bildungsexperten haben das Potential der elektronischen Sammelmappen bisher erkannt.
ePortfolios sind mehr als elektronische Bewerbungsmappen:
ePortfolios sind viel mehr als nur eine Sammlung von Zeugnissen und Leistungsnachweisen - sie sind eine Lernmethode, die auf mehrere Prozesse heruntergebrochen werden kann. Neben der Analyse und Planung des Kontextes, in dem das ePortfolio erstellt werden soll, sind dies: die Sammlung, Auswahl und Verbindung von Artefakten, die Reflexion und Kommunikation, die Präsentation sowie die Bewertung und Beurteilung der Artefakte oder Reflexionen.
Multimediale Lernerfahrungen als Mehrwert von ePortfolios:
Anders als bei einem klassischen papierbasierten Portfolio können Lernende nicht nur Dokumente oder Nachweise formellen und informellen Lernens wie Lebenslauf, Zeugnis oder Praktikumsbestätigung hinterlegen, sondern auch informelle Lernerfahrungen multimedial aufbereiten. Das können u.a. Ausschnitte aus Weblogs oder Wikis, Projektberichte, Audio- oder Video-Mitschnitte aus Diskussionen oder Vorträgen sein.
Social-Software-Aspekt der ePortfolios:
"Der Lernende kann die Artefakte oder Reflexionen einer Teilöffentlichkeit zugänglich machen und Mitlernende, Kollegen oder Trainer dazu einladen, seinen Lernprozess durch Feedback, Kommentare und Hinweise auf weitere Ressourcen zu unterstützen." (Angela Baker).
ePortfolios: Hohes Potential in formellen Lernszenarien:
ePortfolios bieten gerade für Universitäten einen enormen Mehrwert - vor allem im Hinblick auf die kompetenzbasierte Ausbildung: "Man kann z.B. bestimmte Kompetenzen vorgeben, die Studierende im Laufe eines Semesters oder gar eines gesamten Studiengangs erwerben sollen. (...) Wie die Studierenden sich diese Kompetenzen aneignen, bleibt ihnen überlassen. Indes müssen sie durch Produkte oder Artefakte, die sie in ihrem ePortfolio hinterlegen, dokumentieren, wie und dass sie sich in der vorgegebenen Richtung entwickelt haben." (Peter Baumgartner)
Terra incognita: ePortfolios im deutschsprachigen Raum kaum im Einsatz:
Lobenswerte Ausnahme: http://phrblog.kaywa.ch :-)
Während sich ePortfolios in den USA, Kanada, Grossbritannien, Holland und auch Frankreich grosser Beliebtheit erfreuen, übt man sich hierzulande in Zurückhaltung. (...) Über die Gründe dieser stiefmütterlichen Behandlung darf spekuliert werden:
- Angst vor Datenkontrolle und dem sprichwörtlich gläsernen Bürger!
- Niemand fühlt sich verantwortlich für das Thema ePortfolio!
- Grosser Aufwand, der mit der Einführung von ePortfolios in Bildungsinstituten und Organisationen einhergeht!
- Anpassung von organisatorischen Rahmenbedingungen (Prüfungsordnungen bzw. Studienplänen)!
- Studierende und Mitarbeiter müssen an die Arbeit mit ePortfolios herangeführt und auch darüber hinaus betreut werden!
Darüber hinaus müssen sich ePortfolio-Initiatoren mit der Frage befassen, wem die abgespeicherten Daten gehören: Sind sie Eigentum des Portfolio-Autors oder der Organisation bzw. Universität? Und was passiert mit den Daten, wenn der Arbeitnehmer das Unternehmen wechselt bzw. der Studierende seinen Abschluss macht? An Hochschulen z.B. gilt, dass erbrachte Leistungen mehrere Jahre archiviert werden müssen.
Eine weitere Schwierigkeit: die fehlende Interoperabilität vieler ePortfolio-Lösungen. Sprich: ein Portfolio, das mit einem bestimmten Tool erstellt worden ist, kann nicht unbedingt problemlos in ein anderes System übertragen werden. Im Zuge des lebenslangen Lernens wäre dies allerdings wünschenswert.
Vorbild Wales: ePortfolios for All
Viele Experten plädieren daher dafür, dass ePortfolios nicht bei einzelnen Organisationen oder Bildungsinstituten angesiedelt sind, sondern Eigentum des Lernenden bleiben. (...) Sie müssten jedem Bürger einen eigenen Speicherplatz im Internet zugestehen. Dass das durchaus möglich ist, hat Wales unter Beweis gestellt: Das Land bietet seinen ca. 3 Millionen Bürgern die Möglichkeit, auf der Website von "Careers Wales" ihr persönliches ePortfolio einzurichten.




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